Von der italienischen Weinlaune direkt aufs windige Weserwasser: Lisa und Lydia verbindet eine über 12-jährige Freundschaft – und seit Kurzem auch das gemeinsame Abenteuer Segelschein (Anfängerkurs erstes Halbjahr 2026). Nun haben die beiden aufgeschrieben, wie sie beim Segelverein Weser den Kampf mit Wind, Wellen und Seemannsbegriffen aufgenommen haben, warum die Gemeinschaft im Verein unbezahlbar ist und wie sie selbst eine stürmische Generalprobe gemeistert haben. Ein herrlich ehrlicher Bericht über das Lernen, Lachen und Über-sich-Hinauswachsen. Viel Spaß beim lesen.
Ahoi!
Wir sind Lisa und Lydia und kennen uns schon seit über 12 Jahren. So entstand im vergangenen Italienurlaub beim ein oder anderen Glas Wein die Idee, gemeinsam den Segelschein zu machen. Es war schnell klar: Wenn wir das machen, dann gemeinsam beim Segelverein Weser.
Als der Kurs endlich begann, war die Vorfreude riesig. Gleichzeitig merkten wir schnell, dass Segeln vom Steg aus deutlich einfacher aussieht, als wenn man selbst das Ruder in der Hand hält. Begriffe wie „Anluven“, „Abfallen“ oder „Q-Wende“ waren anfangs noch fremd, und mit jedem Kurstag lernten wir ein Stück mehr dazu.
Ein besonderer Moment war das erste Mal, als wir allein auf dem Boot unterwegs waren. Anfangs waren wir noch sehr angespannt. Doch mit jeder Wende, jedem Anlegemanöver und jeder Stunde auf dem Wasser wuchs das Vertrauen in das, was wir gelernt hatten. Irgendwann merkten wir: Wir können das langsam.
Genauso besonders war aber die Gemeinschaft. Woche für Woche trafen wir dieselben Menschen, fieberten bei den Manövern miteinander mit, freuten uns über gelungene Übungen und lachten gemeinsam über die kleinen Missgeschicke, die wohl jeder Segelanfänger einmal erlebt.
Auch unvergessen bleibt für uns der Tag vor der Prüfung. Schon vor dem Ablegen war kräftiger Wind angekündigt, deshalb waren wir mit gerefftem Segel unterwegs. Anfangs lief alles gut, doch draußen auf der Weser wurde der Wind immer böiger. Nach einer nahezu Kentererfahrung war für uns klar, dass wir zurück in den Hafen fahren mussten. Beim Anlegen entschieden wir uns für eine Q-Wende am Ponton. Doch genau in diesem Moment zeigte der Wind, wie wenig er sich für unsere Pläne interessierte. Plötzlich wurden wir rückwärts Richtung Bootsbox gedrückt. Ehrlich gesagt war das der Moment, in dem bei uns kurz die Panik einsetzte. Während die erfahrenen Segler am Steg aufmerksam das Geschehen beobachteten, versuchten wir, einen kühlen Kopf zu bewahren.
Zum Glück blieb es beim Schreck – wahrscheinlich können wir schon bald darüber gemeinsam lachen. Gerade in solchen Momenten haben wir gemerkt, wie wertvoll die Unterstützung im Verein ist. Unser Trainer Christian und das gesamte Ausbildungsteam haben uns während des gesamten Kurses mit sehr viel Geduld, Ruhe und Vertrauen begleitet. Sie haben uns immer wieder gezeigt, dass schwierige Situationen zum Segeln dazugehören und dass man mit jeder Herausforderung sicherer wird.
Die Prüfung selbst hatte es dann noch einmal in sich. Kräftiger Wind, Binnenschifffahrt und Regen sorgten für anspruchsvolle Bedingungen. Zu Beginn des Kurses hätten wir uns wahrscheinlich nicht vorstellen können, unter solchen Bedingungen unsere Prüfung abzulegen. Umso größer war die Freude, als wir sie erfolgreich bestanden hatten.
Rückblickend nehmen wir viel mehr mit als nur den Segelschein. Wir haben gelernt, dass sich auf dem Wasser nicht alles kontrollieren lässt. Den Wind kann man nicht beeinflussen. Man kann aber lernen, ruhig zu bleiben, sich gegenseitig zu vertrauen und sich auf das zu verlassen, was man gelernt hat.
Außerdem haben wir gemerkt, dass man keine jahrelange Segelerfahrung braucht, um mit dem Segeln anzufangen. Alles, was man braucht, ist Neugier und Menschen, die einen auf diesem Weg unterstützen. Genau das haben wir im Segelverein Weser gefunden.
Wenn wir heute auf die vergangenen Monate zurückblicken, denken wir nicht zuerst an Böen, Wenden oder Prüfungen. Wir denken an viele schöne Stunden auf der Weser, an eine tolle Gruppe und daran, wie schön es ist, gemeinsam etwas völlig Neues zu lernen. Und an Christians erste und allerwichtigste Regel beim Segeln: Immer lächeln!
Wir würden uns jederzeit wieder dafür entscheiden und können jedem nur empfehlen, es einfach einmal auszuprobieren.
Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!
Lisa & Lydia